Der modellierte Industriestrompreis in Deutschland ist während der Energiekrise stark gestiegen, erreichte 2022 seinen Höchststand und ist 2023 sowie 2024 deutlich gesunken. In der Datenreihe der Bundesnetzagentur/SMARD erreichte der jährliche Preis ohne Entlastungen 35,70ct/kWh im Jahr 2022, bevor er auf 16,77 ct/kWh im Jahr 2024 fiel. Der entsprechende Preis mit maximalen Entlastungen sank im gleichen Zeitraum von 29,01 ct/kWh auf 10,47 ct/kWh . (Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD.)
Das SMARD-Modell für Juni 2026 weist 16,26 ct/kWh ohne Entlastungen und 10,73 ct/kWh mit maximalen Entlastungen aus. Hierbei handelt es sich um Monatswerte, nicht um Jahresdurchschnittswerte. In der hier verwendeten historischen Datenreihe ist kein verifizierter SMARD-Jahreswert für 2025 enthalten. (Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD.)
Dieser Artikel verfolgt die Entwicklung des Industriestrompreises in Deutschland von 2020 bis 2026 und erläutert die treibenden Faktoren hinter diesem Trend. Aktuelle Preis-Benchmarks sowie die Unterschiede zwischen SMARD, VEA/BDEW, Destatis und Eurostat finden Sie unter Wie hoch ist der aktuelle Industriestrompreis in Deutschland im Jahr 2026?. Informationen zum politischen Rahmen und zur 5-ct/kWh-Unterstützungsgrenze finden Sie unter Industriestrompreis in Deutschland: Kosten, Regeln und Auswirkungen 2026–2028.
Die Entwicklung des Industriestrompreises auf einen Blick
Ein aussagekräftiger historischer Vergleich erfordert die durchgängige Verwendung einer einzigen Quelle und Methodik. Die unten aufgeführte SMARD-Reihe enthält modellierte Lieferpreise und unterscheidet zwischen Unternehmen mit und ohne maximale Entlastungen. Sie stellt keinen beobachteten Rechnungsdurchschnitt für jeden Industrieverbraucher dar.
Veränderung der Industriestrompreise von 2020 bis 2024
2020: Ein Referenzpunkt vor der Krise
Die hier verwendete verifizierte SMARD-Reihe weist für 2020 einen Wert von 5,92 ct/kWh für Unternehmen mit maximalen modellierten Entlastungen aus. Dieser Wert sollte nicht auf die Reihe ohne Entlastungen übertragen werden, für die in der für diesen Artikel verwendeten Quelle kein Jahreswert für 2020 ausgewiesen ist. (Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD.)
2021: Die Beschaffungskosten begannen zu steigen
Im Jahr 2021 erreichte der modellierte Jahrespreis 21,77 ct/kWh ohne Entlastungen und 10,94 ct/kWh mit maximalen Entlastungen. Die Differenz spiegelt Unterschiede bei Netzentgelten, Stromsteuer, Umlagen, Konzessionsabgaben und anderen Kostenkomponenten wider, die anspruchsberechtigte Industrieverbraucher reduzieren können. (Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD.)
2022: Der Industriestrompreis erreichte seinen Höchststand
Der modellierte Jahrespreis erreichte 2022 seinen Höchststand mit 35,70 ct/kWh ohne Entlastungen und 29,01 ct/kWh mit maximalen Entlastungen. Die Energiekrise ließ die Beschaffungskosten stark ansteigen, wodurch die Großhandels- und Beschaffungskomponente zum dominierenden Preistreiber wurde. (Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD.)
Entlastungen reduzierten zwar verschiedene regulierte Kostenbestandteile, konnten jedoch die Auswirkungen der außergewöhnlich hohen Beschaffungskosten nicht ausgleichen. Aus diesem Grund näherten sich die beiden Reihen auf dem Höhepunkt der Krise stärker an als 2021 oder 2024.
2023: Deutliche Preiskorrektur
Der modellierte Preis sank 2023 auf 19,63 ct/kWh ohne Entlastungen und 14,23 ct/kWh mit maximalen Entlastungen. Der Rückgang war erheblich, doch der Preis blieb über den Niveaus der reduzierten Preise vor der Krise. (Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD.)
2024: Der Rückgang setzte sich fort
Im Jahr 2024 sank der modellierte Jahresdurchschnitt weiter auf 16,77 ct/kWh ohne Entlastungen und 10,47 ct/kWh mit maximalen Entlastungen. Das Ergebnis bestätigt die Normalisierung nach dem Höchststand von 2022, zeigt aber auch, dass die Reihe mit reduzierten Preisen deutlich über dem Niveau von 2020 blieb. (Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD.)
Was zeigen die verfügbaren Zahlen für 2025?
In dieser historischen Reihe ist kein verifizierter SMARD-Jahreswert für 2025 enthalten. VEA und Destatis liefern zusätzliche Referenzpunkte für 2025, diese sind jedoch nicht direkt mit der SMARD-Jahresreihe vergleichbar.
Was zeigen die Daten für 2026 bisher?
Das aktuelle SMARD-Modell für Juni 2026 weist 16,26 ct/kWh ohne Entlastungen und 10,73 ct/kWh mit maximalen Entlastungen aus. Diese Werte zeigen, dass der Preis weit unter dem Höchststand von 2022 blieb. Es handelt sich hierbei um einen monatlichen Richtwert, nicht um einen Jahresdurchschnitt. (Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD.)
Monatswerte können in beide Richtungen schwanken, da sich Beschaffungspreise, Netzentgelte, Steuern und andere modellierte Komponenten ändern. Ein einzelner Monatswert sollte daher als aktueller Indikator und nicht als Beleg für den endgültigen Jahrestrend betrachtet werden.
Der Höchststand der Industriestrompreise im Jahr 2022
Der Höchststand im Jahr 2022 war maßgeblich durch die Energiepreiskrise und den daraus resultierenden Anstieg der Strombeschaffungskosten getrieben. Die Großhandelspreise für Strom stiegen, da sich die europäischen Gasmärkte verknappten, die fossile Stromerzeugung teurer wurde und die Unsicherheit an den Energiemärkten zunahm.
Die SMARD-Methodik modelliert die Beschaffungskosten aus einer Mischung von Day-Ahead-Preisen, Monats- und Quartalsprodukten sowie Jahres-Futures, gewichtet nach den in der Überwachung der Bundesnetzagentur beobachteten Beschaffungsstrategien. Dies bedeutet, dass der modellierte Industriepreis sowohl kurzfristige Marktbedingungen als auch den verzögerten Einfluss von Absicherungsprodukten widerspiegelt. Der Wegfall der EEG-Umlage glich den Anstieg der Beschaffungskosten für Unternehmen ohne Entlastungen teilweise aus, während die Beschaffungskosten einen größeren Anteil an der Reihe der reduzierten Preise ausmachten. (Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD.)
Was verursacht den Anstieg der Industriestrompreise in Deutschland im Jahr 2026?
Großhandelspreise für Strom und Gas, erneuerbare Energien, Netzentgelte, CO2-Preise, Steuern, der Zeitpunkt der Beschaffung sowie kurzfristige Marktvolatilität bestimmen die Industriestrompreise im Jahr 2026. Die Auswirkungen auf das einzelne Unternehmen hängen von dessen Vertrag und Betriebsprofil ab.
Großhandelspreise für Strom und Gas
Gaskraftwerke können in Stunden, in denen die Erzeugung aus günstigeren Quellen nicht ausreicht, den marginalen Strompreis bestimmen. Höhere Gas- und CO2-Preise können daher die Großhandelspreise für Strom in die Höhe treiben. Die Auswirkungen auf ein Unternehmen hängen davon ab, ob die Versorgung spotmarktgebunden ist, über Terminprodukte eingekauft, abgesichert, durch einen mehrjährigen Festpreisvertrag fixiert oder durch einen Stromliefervertrag (PPA) abgedeckt wird.
Großhandelspreise entsprechen nicht dem endgültigen Industriestrompreis. Netzentgelte, Steuern, Abgaben, Lieferantenkosten und anrechenbare Entlastungen müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien
Eine hohe Wind- und Solareinspeisung kann die Großhandelspreise in Zeiten eines Überangebots senken. Dieser Vorteil ist am größten für Unternehmen mit spotmarktgebundenen oder marktindexierten Verträgen sowie für Standorte, die flexiblen Strombedarf in Stunden mit niedrigeren Preisen verlagern können.
Erneuerbare Energien können auch die stündliche Preisvariabilität erhöhen. Auf sehr niedrige oder negative Preise in Zeiten hoher Erzeugung können teure Stunden folgen, wenn die Wind- und Solarproduktion zurückgeht. Dies macht Lastprognosen und betriebliche Flexibilität wertvoller.
Netzausbau und Netzkosten
Der Netzausbau kann die regulierten Netzkosten erhöhen, selbst wenn die Erzeugung aus erneuerbaren Energien die Großhandelspreise senkt. Deutschland benötigt zusätzliche Netzkapazitäten für die Integration erneuerbarer Energien, die industrielle Elektrifizierung, Elektromobilität, Wärmepumpen, Speicher und den Bedarf neuer Rechenzentren.
Die Bundesregierung stellt für das Jahr 2026 einen Zuschuss in Höhe von 6,5 Milliarden Euro für die Übertragungsnetzentgelte bereit. Der Zuschuss reduziert die unmittelbare Belastung für die Verbraucher, beseitigt jedoch nicht den langfristigen Finanzierungsbedarf für den Netzbetrieb und -ausbau. (Quelle: Bundesregierung.)
CO2-Preise, Steuern und Entlastungen
CO2-Preise beeinflussen die Industriestromkosten über die Betriebskosten der fossilen Stromerzeugung. Steuern, Abgaben, Regelungen zu Netzentgelten und Entlastungsmechanismen wirken sich direkter auf den Endpreis aus. Ein Vergleich, bei dem auf ein Unternehmen die reguläre Stromsteuer und auf ein anderes ein reduzierter Industriepreis angewendet wird, misst nicht dieselbe Kostenbelastung.
Eine detaillierte Erläuterung des Förderprogramms 2026-2028, der Anspruchsberechtigung sowie der Unterscheidung zwischen der Untergrenze der Beihilfeberechnung und dem Stromendpreis finden Sie unter Industriestrompreis in Deutschland: Kosten, Regeln und Auswirkungen 2026-2028.
Zeitpunkt der Beschaffung und Vertragsstruktur
Der Zeitpunkt der Beschaffung kann genauso wichtig sein wie der aktuelle Spotmarktpreis. Ein Unternehmen, das seinen Strompreis während einer Hochpreisphase fixiert hat, zahlt möglicherweise weiterhin über dem aktuellen Marktniveau. Ein Unternehmen, das sich vor einem Preisanstieg abgesichert hat, bleibt möglicherweise geschützt.
Zu den wichtigsten Variablen zählen feste oder indexierte Preise, Absicherungsquoten, Beschaffungszeitpläne, Vertragslaufzeiten, Volumentoleranzen, Ausgleichsregelungen, die Struktur von Stromabnahmeverträgen sowie die Handhabung flexibler Lasten und der Eigenstromerzeugung.
Wetter, Nachfrage und Marktvolatilität
Wetterbedingungen und Volatilität beeinflussten Geschwindigkeit und Verlauf des Preisrückgangs nach dem Höchststand 2022. Das Wetter wirkt sich auf die Stromnachfrage, die Erzeugung aus erneuerbaren Energien und den Betrieb von Kraftwerken aus. Kälteperioden können den Strom- und Gasbedarf erhöhen. Hitzewellen steigern den Kühlbedarf in Fabriken und Rechenzentren. Schwachwindphasen verringern die Einspeisung aus erneuerbaren Quellen, während eine hohe Solarstromerzeugung die Preise tagsüber drücken kann.
Kraftwerksausfälle, Netzengpässe und geopolitische Ereignisse können diese Bewegungen verstärken. Kurzfristige Volatilität wirkt sich nicht auf alle Industrieverträge gleichermaßen aus, kann jedoch für flexible Verbraucher sowohl Risiken als auch Chancen bergen.
Warum die Strompreise für Unternehmen nicht im gleichen Tempo sinken
Ein Rückgang der Großhandels- oder Modellpreise führt nicht unmittelbar zu einer Senkung jeder industriellen Stromrechnung. Bestehende Verträge können Preise enthalten, die Monate oder Jahre zuvor festgelegt wurden, während neue Vertragsserien schneller auf aktuelle Beschaffungsbedingungen reagieren.
- Mehrjährige Absicherungsstrategien können den Effekt sinkender Preise verzögern, bieten jedoch Schutz vor plötzlichen Anstiegen.
- Eine gestaffelte Beschaffung verteilt das Risiko auf mehrere Einkaufszeiträume.
- Spotmarkt- und indexbasierte Verträge geben Marktveränderungen schneller weiter.
- Stromabnahmeverträge und Eigenstromerzeugung können die Abhängigkeit von Großhandelsmärkten verringern.
- Netzentgelte, Lastspitzen, Steuern und Entlastungsberechtigungen können sich unabhängig von den Rohstoffpreisen entwickeln.
Die historische Preisentwicklung ist daher nützlich für den Marktkontext, aber der relevante Vergleich für ein einzelnes Unternehmen bleibt der eigene Vertrag, die Rechnung, das Lastprofil und der Status bei Entlastungsregelungen.
Eine Analyse der Preisentwicklung für Industrieunternehmen
Die Entwicklung von 2020 bis 2026 zeigt, dass industrielle Stromkosten nicht nur eine Frage der Beschaffung sind. Unternehmen müssen Verbrauch, Timing, Lastspitzen, vertragliche Risiken und physische Betriebsbeschränkungen als ein Gesamtsystem steuern.
- Beobachten Sie sowohl Benchmarks für Endkundenpreise als auch Indikatoren des Großhandelsmarktes.
- Trennen Sie vertragliche Risiken von der operativen Lastflexibilität.
- Nutzen Sie Prognosen, um sich auf Hochpreisphasen vorzubereiten, anstatt erst nach deren Eintreten zu reagieren.
- Koordinieren Sie Kühlung, Heizung, elektrische Systeme, Lüftung, Speicher und Eigenstromerzeugung.
- Bewerten Sie Effizienz und Flexibilität gemeinsam, anstatt den jährlichen kWh-Verbrauch isoliert zu optimieren.
Eine praxisnahe Erläuterung dieses kombinierten Ansatzes finden Sie unter Energieflexibilität vs. Energieeffizienz in der Industrie. Der Artikel zeigt, warum die Senkung des Verbrauchs und die Verschiebung der Nachfrage komplementäre statt konkurrierende Strategien sind.
Indikatoren für Unternehmen zur Überwachung
Unternehmen sollten sowohl externe Marktindikatoren als auch interne Betriebsdaten im Blick behalten. Zu den aussagekräftigsten Signalen gehören:
Die effektiven industriellen Stromkosten werden durch das Zusammenspiel dieser externen und internen Faktoren bestimmt. Energy Intelligence verknüpft das Marktsignal mit den technischen Systemen, die sicher darauf reagieren können.

Sourceswere retrieved on July 22, 2026. Links are listed in order of first appearance.
1.Bundesnetzagentur / SMARD, “Industrial electricity price trends," published February 11, 2025. Source for the annual modeled price development through 2024 and the interpretation of prices with and without reductions.
2.Bundesnetzagentur / SMARD, "Industriestrompreise." Methodology page for the modeled cost components, reductions, and procurement assumptions.
3.Bundesnetzagentur / SMARD, “Stable household customer prices for electricity and gas," published July 8, 2026. Source for the June 2026 modeled industrial electricity prices.
4. VEA, reproduced in BDEW, “BDEW-Strompreisanalyse April 2026," published April 15, 2026. Source for the 2025 annual new-contract benchmark for small and medium-sized industrial profiles.
5.Destatis, “Strompreise für Haushalte im 2. Halbjahr 2025 um 1,6 % gestiegen," press release No. 111, published March 31, 2026. Source for the H2 2025 broad non-household average and its scope.
6. German Federal Government, “Niedrigere Netzentgelte für 2026," published December 22, 2025. Source for the €6.5 billion federal subsidy for transmission network charges in 2026.



